
1929 wurde das Ende einer gewaltigen Spekulantenblase eingeläutet. Alle Welt hatte jahrelang zuvor Aktien auf Kredit gekauft, und damit bequemes Geld verdient.
Auch heute im Jahr 2008 sind es wieder Spekulationsblasen, geplatzte Träume am amerikanischen Immobilienmarkt, die die Weltwirtschaft an den Abgrund bringen. So sicher schien die stetige Aufwärtsbewegung der amerikanischen Immobilienpreise, dass sich jeder diese Immobilien leisten wollte. Natürlich auf Kredit. Dass die von kreativen Finanzkonstrukteuren verbrieften US-Immobilienkredite als vermeintlich sichere Anlagepapiere sukzessive in die internationale Finanzwelt gestreut wurden, ist freilich eine Spezialität der hoch vernetzten und komplexen Finanzmärkte unserer Zeit. Nicht jedoch die Tatsache, dass alle Welt den Lemmingen gleich in nur eine Richtung gelaufen ist. Das war immer so und das werden wir auch zukünftig erleben.
Vor dem Börsencrash der Jahrtausendwende hießen die Zauberwörter „Internet“ und „neuer Markt“ und auch hier schienen die Perspektiven und Gewinnmöglichkeiten über jeden Zweifel erhaben. In den Jahren nach 1929 hatte der damalige US-Präsident Hoover die Krise zu lange ignoriert und die US-Notenbank beging den Fehler, aus Sorge vor Inflation das Geld zu verknappen. Die Krise wuchs sich zu einer Weltwirtschaftskrise aus und die Börsenkurse brauchten 25 Jahre, um wieder das Ausgangsniveau zu erreichen.
Weltweit koordiniertes Krisenmanagement
Heute werden die Fehler von damals nicht wiederholt und die Politik hat den angeschlagenen Banken in einer bisher einzigartigen und international koordinierten Aktion staatliche Eigenkapitalhilfen und Staatsgarantien in Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig versorgen die Notenbanken die Märkte mit Liquidität und eine Zinssenkungsspirale wurde eingeläutet.
Auch wenn dies mittelfristig zu einem ernsten Inflationsproblem führen dürfte, gibt es zu diesen Maßnahmen keine Alternativen. Der heftige Kursverfall an den Weltbörsen konnte so zumindest gebremst werden.
Konstruktionsfehler in deutschem Rettungspaket – Gefahr nicht abgewendet
Während die Amerikaner und die Briten ihren Banken die Staatshilfen mehr oder weniger kollektiv aufgezwungen haben, hat die deutsche Variante einen Konstruktionsfehler. Die Inanspruchnahme des Hilfspakets ist freiwillig und an hohe Auflagen gebunden. Banken, die die Hilfe unter diesen Umständen annehmen, gestehen damit ein, schlechter als die anderen gewirtschaftet zu haben und sind stigmatisiert. Mit drastischen Wirkungen für die eigene Börsennotierung. Die Gefahr, in der nächsten Übernahmerunde das Heft aus der Hand geben zu müssen wird greifbar. Die Folge: Die noch vorhandene Liquidität der Banken wird weiter gehortet und trotz der staatlichen 500-Milliarden-Stütze ist die gefährliche Kreditklemme in unserem Land nicht beseitigt.
Falls sich die Banken nicht bald zu einer kollektiven Annahme des Rettungspaktes entschließen, könnte das Finanzsystem in Deutschland nach wie vor kollabieren.
Durchschlagende Wirkung auf die Realwirtschaft
Durch drastische Nachfrageeinbrüche schlägt die Finanzkrise zusätzlich mit voller Wucht und in überraschender Geschwindigkeit auf die Realwirtschaft durch. Die Meldungen von Auftragseinbrüchen aus den verschiedensten Branchen häufen sich.
Anlegern ist die Laune verdorben. Die Aktienportfolios haben in kürzester Zeit ihren Wert halbiert und selbst die Rohstoffmärkte kollabieren.
Auch die Blase bei den Schiffsbeteiligungen dürfte nun platzen. Mit den sich drastisch eintrübenden Konjunkturperspektiven und der verminderten weltweiten Transportnachfrage zeigen die Charterraten steil nach unten.
Und selbst offene Immobilienfonds schließen aktuell reihenweise die Pforten, weil sie die Mittelabflüsse in die von Angelika Merkel garantierten Spareinlagen nicht mehr verkraften können. Anleger kommen so auf Monate nicht mehr an ihr Geld. Vertrauensschäden und Verwerfungen an vielen Stellen. Mit Wirkungen, die schwer abzuschätzen sind.
Buy on bad news, heißt es. Wir würden allerdings noch ein wenig damit warten.
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